Novela About Coffee Table Backstories
Behind the Scenes · Club39

Die Geschichten hinter den Geschichten.

Wieso eigentlich eine Novela? Warum genau macht Rosé jetzt geiler? Und: Ist die Geschichte echt? Oder alles ausgedacht?

Behind the Scenes ist mehr als ein Making-of. Es sammelt die Momente davor: eine WhatsApp-Nachricht über Kneipen, die Frage nach dem Rosé und warum erzählt werden muss, was eben erzählt werden muss. Blätter dich durch — jeder Artikel ist eine eigene Geschichte.

Behind the Scenes · Club39

Warum macht Rosé jetzt eigentlich geiler?

Die ganze Wahrheit kennt wahrscheinlich nur Renate. Aber die Geschichte hinter der Geschichte, die begann auf einem Kindergeburtstag.

Wo die wichtigen Dinge passieren

Auf einem Kindergeburstag kam ich mit einem Vater ins Gespräch. Der schwärmte mir von Craft Beer vor – ist eine Welt für sich. Mich hat vor allem seine Begeisterung dafür gefallen und so haben wir uns festgequatscht und kamen irgendwann vom Bier auf Kneipen.

Und diese Kneipenliebe habe ich am selben Abend via WhatsApp mit meinem guten Freund Fabian geteilt. Der hat’s aufgegriffen, weitergesponnen – und damit, ohne dass wir "damals" hätten ahnen können, eine der Hauptlinien von Club39 geschrieben:

Juliane ↔ Fabian · WhatsApp 18:30
Kneipe hat schon irgendwie was, wa … so richtig vom Tresen aus die Geschicke der Welt lenken. 18:30 ✓✓
Genau. Da passieren nämlich die richtig wichtigen Dinge. Ingo quatscht die Uschi an. Jürgen raucht zum ersten Mal Lucky's, weil es am Automaten keine Camels mehr gibt. Und Jenny erzählt dem Barkeeper von ihrer Theorie, dass Rosé-Wein irgendwie geiler macht als Roter. :-) Edited 18:32
😂
WhatsApp · Juliane ↔ Fabian

Das war's also: Rosé macht geiler, weil Jenny das am Tresen so beschlossen hat. Und was am Tresen beschlossen wird, das ist Gesetz. Mindestens Kneipengesetz.

Als ich später Renate in die Novela geschrieben habe, musste der Rosé mit. Unbedingt. Und wenn du der Geschichte folgst, dann weißt du: Jürgen und seine Camel sind auch fest verankert in der Welt von Club39.

Kneipengeschichte

Gibt’s Renate wirklich?

„Ich will auch mal mit dir zu Renate!“ – das ist, glaube ich, die Nachricht, die ich seit dem Start der Novela am häufigsten bekomme. Und ja! Ich auch!

Geht nur leider nicht. Renate und ihre Kneipe habe ich mir ausgedacht. Im Kopf hatte ich dabei die klassischen Altberliner Kneipen – und ganz besonders eine: Frank’s Imbiss, die Kneipe meiner Kindheit. Dazu gleich mehr.

Wie es bei Renate aussieht, musste also erst erdacht werden. Und das hat schlussendlich meine mittlere Tochter Milu (10) gemacht! Ich brauchte eigentlich nur zwei Weingläser auf einem Tresen, für's Cover, Milu hat direkt die ganze Tresenlandschaft mit gemalt.

Milus Zeichnung — Vorlage für das Club39-Cover
Milus Zeichnung · 2026
Was aber stimmt

Kneipen & Kindheit

Heute ist das – jedenfalls in der Berliner Bubble – ja kaum noch denkbar. Aber als Kinder sind wir tatsächlich in die Kneipe gegangen, um uns Gummitierfüße zu holen. Bei Frank’s. Oder Frankie’s? Den Namen musste ich erst wieder rausfinden, wo die Kneipe war, wusste ich aber noch ganz genau: Am Ende der Linienstraße. Fast ganz vorne. An der Oranienburger.

Ein Foto habe ich nicht mal mehr gefunden. Ohne die Erinnerungen wäre es fast, als hätte es die Kneipe nie gegeben. Aber erinnern konnten wir uns alle noch, auch meine Geschwister und meine Eltern. Und, Noemi hat's ja schon gesagt: Die grünen Füße waren die besten:

Familiengruppe · WhatsApp 14.04.26
Wie hießn nochmal die Kneipe in der Linienstr. früher? Frankie's? Oder Franks oder so? 18:29 ✓✓
Papa
Frank's Imbiss
Füße ... 👍👏 18:33
Felix
Da gab's immer Füße....diese Gummitiere 18:35
Felix
Nur echt wenn sie auch n bisschen ledrig und rauchig geschmeckt haben 😂 18:35
Ja, stimmt! Frank's Imbiss 🙌 danke! 18:35 ✓✓
Die Grünen waren die besten 💘 18:36 ✓✓
Felix
Auch bei Frankys... nen 2 Mark Stück auf den Boden geklebt gleich beim Eingang — Stammis kannten die Nummer und neue Gäste wurden direkt enttarnt 😂 18:41
Stimmmmmmmmtttt! Das habe ich voll vergessen!! 18:41 ✓✓
Ich will was schreiben, da wollte ich genau die Geschichte mit den Füßen mit reinschreiben. 🤭 18:37 ✓✓
WhatsApp · Familiengruppe

P.S. Falls doch noch jemand ein Foto von Frank’s Imbiss hat – am Ende der Linienstraße in Berlin-Mitte, fast vorne an der Oranienburger –: Ich würde mich riesig freuen. Und ansonsten gilt: Was es nicht gibt, das müssen wir machen.

Vielleicht müssen wir also einfach in diesem Leben doch noch eine Kneipe gründen. Hilft ja nix.
Zweisam einsam · Persönlich

Quasi alleinerziehend

Zu zweit und ganz allein.

Berlin · 2026

Ich wollte das Thema mit reinschreiben, weil ich glaube, dass Margarete nicht allein damit ist, wenn sie sagt: „Ich bin ständig quasi alleinerziehend.“ Und ich glaube, dass Noemi recht hat, wenn sie sagt: „Das stimmt nicht, du bist nicht alleinerziehend.“ Beide Frauen haben recht. Und beide tragen einen eigenen Schmerz.

Noemi ist ganz allein. Das heißt: jede Entscheidung allein treffen. Und wenn ein Kind in die Notaufnahme muss, müssen im Zweifel alle Kinder mit. Und es heißt auch: jeden Tag morgens aufstehen – und nie ist der Kaffee schon gemacht.

Alleinerziehend ist doppelte Arbeit mit halben Ressourcen. Immer wieder. Tag für Tag.

Das ist eine eigene Lebensrealität, die sich nicht so einfach vergleichen lässt. Aber das macht Margaretes Not nicht kleiner. Denn ihr Schmerz ist genauso echt.

Quasi-alleinerziehend heißt: Ich will abends endlich mit einem Erwachsenen quatschen – und er ist nach der Arbeit zu müde. Ich organisiere den ganzen Alltag, während er sich zu den Kindern setzt und Lego baut. Mein Leben richtet sich komplett nach den Kindern – und er macht gefühlt weiter wie vorher.

Ich bin eigentlich nicht allein – und fühle mich trotzdem so. So oft, als lasten alle Aufgaben, alle Entscheidungen, alle Unfreiheiten auf mir allein. Und ich weiß schon gar nicht mehr, wo ich in all dem eigentlich bin – geschweige denn, wo das Wir geblieben ist, das ich an uns so geliebt habe.

Ich bin es nicht und bin es doch.

Das ist quasi-alleinerziehend. Ein Gefühl, das auf jedem Spielplatz sitzt und immer wieder Thema ist.

Und es ist einer der Gründe für meine Arbeit. Weil ich glaube, dass Frauen – Mütter, in dem Fall – ihre Bedürfnisse, und manchmal auch sich selbst, erst vergessen, wenn sie Kinder bekommen. Und sich dann wiederfinden müssen. Das Vergessen passiert von allein: weil alle Liebe, alle Aufmerksamkeit, der ganze Fokus in den Babyjahren den Kindern gehört. Man muss ja auch erstmal herausfinden, wie das überhaupt geht.

Was aber nicht von allein passiert: sich nach den Babyjahren selbst wieder zu definieren.

Wer bin ich jetzt, nachdem ich das gemeistert habe? Wer will ich sein – und wer bin ich schon lange nicht mehr?

Das sind die Fragen.

Behind the Scenes · Folge 10

Offene Beziehungen

Eine Kolumne, lange vor der Novela geschrieben — und trotzdem mittendrin.

Weil das ganze Thema rund um offene Beziehungen in meinem privaten Freund:innenkreis ein hochaktuelles Thema ist, habe ich schon lange vor der Novela eine Kolumne dazu geschrieben. Und weil in die Novela so viel von dem mit einfließt, was mich auch privat bewegt, gilt das auch hierfür. Deswegen jetzt und hier: Offene Beziehungen. My take.

Die Kolumne

Ich bin offen – solange du bleibst.

Wer entscheidet eigentlich, mit wem ich schlafe?

„Wir wollen jetzt auch unsere Beziehung öffnen."

Ich sitze am Küchentisch meiner Freunde, und sie sagen das wie eine Ankündigung. „Du findest das bestimmt doof, oder?", kommt direkt hinterher.

„Nö", sage ich. Stimmt auch. Tatsächlich weiß ich nämlich gar nicht, wie ich das finden soll.

Aber ja, mein erster Gedanke, ganz persönlich: Wenn ich einen Partner habe, soll der gefälligst mit mir schlafen. Also wirklich. Wo kommen wir denn da hin?

Was mich und meine sexuelle Freiheit angeht, bin ich gleichsam entspannter. Weil ich ja weiß, wie viel Gefühl von meiner Seite investiert ist – oder eben nicht. Das hab ich sicher.

Dass das nicht fair ist, ist mir klar. Was ich mir nehme, muss ich auch zugestehen können. Und da wird's schwierig.

Wie viel Freiheit kann Beziehung aushalten?

Wir sitzen also am Küchentisch, trinken Wein, philosophieren. „95 Prozent aller Paare gehen einander ohnehin fremd", zitiert meine Freundin eine Studie. Und stellt damit die richtige Frage: Warum dann nicht gleich „legal", mit Absprache, ohne Lügen, ohne Verstecken, ohne Heimlichkeiten? Ethical Non-Monogamy nennt man das. ENM. Ich lerne: Es gibt Begriffe, es gibt Konzepte – und es ist längst kein Einzelfall mehr.

Ich stutze. Klar, 95 Prozent sind eine Ansage. Und ja, auch ich könnte mich aus der Statistik nicht rausrechnen. Ich hatte Partner, denen ich nicht treu war.

Gleichzeitig werde ich innerlich rebellisch. Das kenn ich von mir. Wenn alle marschieren, breche ich Konventionen. Wenn alle rebellieren, werde ich konservativ.

Jetzt wirken mir alternative Beziehungsmodelle, diese Suche nach Lässigkeit und Unverbindlichkeit, auf einmal zu weichgespült. Machen wir es uns damit nicht zu leicht? Suchen wir nur den schnellen Ausweg? Ist das am Ende einfach nur Midlife-Crisis?

Was, wenn die eigentlich spannende Herausforderung genau hier liegt – da, wo wir uns dem Commitment stellen müssten? Dort, wo wir nicht in fremden Betten nach Antworten suchen, sondern uns miteinander immer wieder neu finden?

Und wird Sex nicht sowieso mit jedem gemeinsamen Mal schöner? Oder hat man irgendwann wirklich das Kama Sutra einmal durch und kann zusammen beim besten Willen nichts Neues mehr entdecken?

Was ich nicht nur verstehe, sondern auch aufrichtig gutheißen kann, ist die Sehnsucht nach Offenheit, wenn in einer Beziehung etwas fehlt – und gleichzeitig noch genug da ist, um sich nicht zu trennen.

Bei meinem befreundeten Paar ist das aber gar nicht so.

Die sind ein gutes Team. Wirklich. Auch hinter verschlossenen Türen noch. Die beiden lachen zusammen, können auf Augenhöhe debattieren, einfach nur reden, unterstützen gegenseitig ihre Karrieren, haben gemeinsame Projekte und ein aktives Sexleben.

Vielleicht beschäftigt es mich genau deswegen so sehr. Ich bin regelrecht enttäuscht – und weiß selbst nicht genau, warum eigentlich.

Weil ich die Idee einer lebenslangen Beziehung so schön finde? Weil es doch eigentlich immer die Liebe ist, die uns hoffen lässt? Oder weil ich nicht weiß, was bleibt, wenn genau diese Liebe ihre Form verliert?

Ich frage nach, will das wirklich verstehen. „Was fehlt?" „Das Neue, das Unbekannte. Nach 14 gemeinsamen Jahren einfach mal wieder jemanden anderen vögeln", ist in dem Fall die klare Antwort.

Das ist natürlich ein K.O.-Argument. Klar. Das kann ein langjähriger Partner nicht liefern – da kann er ja machen, was er will.

Den Wunsch verstehe ich. Es gibt sie nun mal, diese Menschen, mit denen man sofort eine Chemie hat, eine Anziehung, ein ich-will-mit-dir-schlafen. Jetzt. Und weil Sex eben immer schöner wird, je öfter man ihn miteinander hat – gerne auch nochmal.

Warum denn eigentlich nicht?

Mal ehrlich: Ist mein Körper überhaupt exklusiv? Darf jemand mitentscheiden, wer ihn berührt? Oder gehört er nicht eigentlich nur mir allein?

Wenn ich diesen Gedanken konsequent destilliere, lande ich unweigerlich bei: Mein Körper, mein Sexleben. Mit wem ich schlafe – und mit wem nicht – ist allein meine Entscheidung. Damit stehen mir mindestens in der Theorie alle Türen offen. Auch die zu fremden Schlafzimmern.

Dann sind die eigentlichen Fragen: Wie viel Freiheit halten wir aus? Was trägt unsere Beziehung, wenn es nicht mehr monogamer Sex ist? Was in mir hat Angst, dich zu verlieren? Warum denke ich, nicht mehr zu genügen, sobald du mit jemand anderem schläfst? Was verliere ich, wenn du bei mir bist – und an sie denkst?

Es ist ein Thema zum Weiterdenken.

Denn auf der anderen Seite bleibt sie stehen. Die romantische Idee von der einen Liebe des Lebens. Ganz unerschütterlich steht sie da, mit erhobenem Haupt. Sieht überhaupt nicht ein, dass die große Liebe nur eine Illusion sein soll.

Und das lässt sich auch durch progressive Gedanken nicht auflösen.

Es muss doch gehen, dass zwei Menschen einander genug sind.

Oder?

Gehen wir am Ende wirklich alle mit schlüpfrigen Geheimnissen aus diesem Leben?

Oder zumindest: 95 Prozent von uns.